denn mein erster Nebenjob als Schüler war in der Kfz-Werkstatt meines Onkels. Damals wollte
ich auf jeden Fall Automechaniker werden. Ich bin es nicht geworden, doch habe ich dort zum
ersten Mal eine neue Form von Stolz erlebt: Geld verdienen mit den eigenen Händen. Super!
Danach habe ich mich erst einmal weiter auf dem gewerblichen Gebiet ausgetobt. So habe ich
im Rahmen eines Schülerpraktikums Gas- und Wasserinstallationen durchgeführt, im Rahmen eines
Ferienjobs in einem Stahlwerk Rohre zugeschnitten sowie neben meiner Ausbildung zum Speditionskaufmann
bei einer Zeitung nachts Prospekte eingelegt. Nicht, dass mich diese Tätigkeiten begeistert
haben. Sie haben mich aber jedem Menschen bis heute näher gebracht, der damit sein tägliches
Brot verdient.
Durch meine Ausbildung zum Speditionskaufmann habe ich das erste Mal gelernt, wie wichtig
ein organisierter Tagesablauf, eine auf Kompetenzen beruhende Arbeitsteilung sowie ein
seriöses und professionelles Sprachbild gegenüber Kunden ist. Meine bis dato saloppe Art
die Dinge anzugehen sowie mit Menschen zu reden, bekam einen ersten Dämpfer. Damals fand
ich dies doof. Heute vermittle ich meinen Teilnehmer, wie wichtig genau diese
Verhaltensweisen sind.
Zum Ende meiner Ausbildung habe ich eine neue Verhaltens- und Denkweise an bzw. in mir entdeckt:
ich war zielstrebig, wollte mehr erreichen und mich geistig weiter entwickeln. Gesagt, getan!
Drei Jahre Vollzeit, danach hatte ich mein Abi in der Tasche, mit 26 Jahren. Immerhin. Doch
was tun mit diesem Zertifikat? Studieren, ist doch klar! Gesagt, getan!
Während meiner Abitur- sowie Studienzeit haben mich vor allem zwei Nebenjobs enorm geprägt:
Das Taxi fahren sowie das Kellnern in einem Café. Beide Jobs haben mich für Themen
sensibilisiert und Fähigkeiten geschult, die ich heute hervorragend ins praktische Trainingsgeschehen
einfließen lasse. Ich habe gelernt, mit unterschiedlichen Menschen sowie deren Charakterzügen
souverän und ehrlich umgehen zu können. Die unterschiedlichen Kunden haben mich darin
geschult, mich sprachlich vielfältig ausdrücken zu können. Ich habe gelernt, wie wichtig es
ist, kundenorientiert zu denken und zu handeln. Mein gutes Trinkgeld war dafür immer ein
sicheres Barometer.
Mein Studium der Kommunikationswissenschaft, Philosphie und Politik, was hat es unterm Strich
gebracht? Zum einen habe ich wie jeder gute Student, ordentlich viele Partys
mitgenommen, ab und an ein Seminar sausen lassen und war immer ausgeschlafen. Eine geile Zeit!
Zum anderen hat es meine selbstbewusste Haltung extrem gestärkt, mich sprachlich weiter
reifen lassen sowie intensiv fachlich geschult. Ich habe Theorien verstanden,
die kaum einer versteht. Ich habe als Studentische Hilfskraft mit Vertrauen meines
Professors alleine Seminare leiten dürfen. Ich habe in zehn Semester einen sehr guten
Abschluss hingelegt. Bombastisch! Ich bin stolz drauf!
Aber was mache mit all den Kenntnissen? Diese Frage hat mich die letzten drei Semester meines
Studiums immer mehr bewegt und auch beunruhigt, so kurz vor der Altersgrenze 30. Also habe
ich mich entschlossen, bereits während meines Studiums wieder mal ein bisschen von der
praktischen Berufswelt zu schnuppern. Auf dem Programm stand die weite Welt der PR.
Über ein Praktikum, einen Nebenjob sowie ein halbjähriges Traineeprogramm zum PR-Juniorberater
habe ich ein paar Agenturen durchlaufen. Fazit: es war ganz nett, diese Branche kennen zu lernen.
Was habe ich daraus gelernt und mitgenommen? Ganz nett reicht mir niemals aus, um einer Tätigkeit
überzeugend, leidenschaftlich und motivierend dauerhaft nachzugehen.
Danach habe ich den Weg eingeschlagen, den ich heute noch leidenschaftlich gerne und mit
Herzblut gehe: mein Weg als Trainer für authentische Wirkung & Überzeugungskraft.
Jörg Frehmann